Aus den Kindertotenliedern

Oft denk ich, sie sind nur ausgegangen,
bald werder sie wieder nach Haus gelangen,
der Tag ist schön, o sei nicht bang,
sie machen nur einen weitern Gang.

Jawohl, sie sind nur ausgegangen
und werden jetzt nach Haus gelangen,
o sei nicht bang, der Tag ist schön,
sie machen den Gang zu jenen Höh´n.

Sie sind uns nur vorausgegangen,
und werden nicht hier nach haus verlangen,
wir holen sie ein auf jenen Höh´n
im Sonnenschein, der tag ist schön.


Lass ruhen die Toten, du weckst sie mit Klagen nicht auf.


Wem ein Geliebtes stirbt, dem ist es wie ein Traum,
die ersten Tage kommt er zu sich selbst kaum.
Wie er´s ertragen soll, kann er sich selbst nicht fragen
und wenn er sich besinnt, so hat er´s schon ertragen.


Warte, du erlebst es noch, dass der Frühling wiederkehrt.
Hoffen alle Bäume doch, die des Herbstes Wind verheert.
Hoffen mit der stillen Kraft ihre Knospen winterlang,
bis sich wieder egt der Saft und ein neues Glück entsprang.


Schlägt dir die Hoffnung fehl, nie fehle dir das Hoffen!
Ein Tor ist zugetan, doch tausend sind noch offen.


Es ist ein Ewiges, das wandelt und das bleibt, das in sich selber ruht und ruhelos alles treibt.


Die Vorsicht geht zu schwach, die Zuversicht zu keck,
Vorsicht mit Zuversicht vereint, gelangt zum Zweck.


Als ich meinen Schmerz auf den Acker der Geduld pflanzte,
brachte er die Frucht des Glücks hervor.


Oft nach einem Tag, oft schon nach einer Stunde,
belächelst du den Schmerz und fühlst nicht mehr die Wunde.



Seite 1 von 11