Tod und Trennung

Gottes Milde mocht´ es fügen,
liegt ein Mensch in letzten Zügen,
stehn am Sterbepfühl die Seinen,
dass sie müssen weinen, weinen;
dass sie nicht vor Tränen schauen
das unnennbar bange Grauen,
wie der Geist verlässt die Hülle,
letztes zucken, tiefe Stille.
Weh dem Tränenlosen, wehe,
der sich wagt in Sterbens Nähe,
denn ihm kann durchs ganze Leben
jenes Grauen heimlich beben.
Doch ein Anblick tiefrer Trauer,
bänger als des Sterbens Schauer,
war es, könnt´ ein Aug es fassen,
wie zwei Herzen sich verlassen.


Aus!

Ob jeder Freude seh ich schweben
den Geier bald, der sie bedroht.
Was ich geliebt, gesucht im Leben,
es ist verloren oder tot.

Fort riss der Tod in seinem Grimme
von meinem Glück die letzte Spur:
Das Menschenherz hat keine Stimme
im finstern Rate der Natur.

Ich will nicht länger töricht haschen
nach trüber Fluten hellem Schaum,
hab aus den Augen mir gewaschen
mit Tränen scharf den letzten Traum.


Blick in den Strom

Sahst du ein Glück verübergehn,
das nie sich wiederfindet,
ist´s gut, in einen Strom zu sehn,
wo alles wogt und schwindet.

O, starre nur hinein, hinein,
du wirst es leichter missen,
was dir, und soll´s dein Liebstes sein,
vom Herzen ward gerissen.

Blick unverwandt hinab zum Fluss,
bis deine Tränen fallen,
und sieh durch ihren warmen Guss
die Flut hinunterwallen.

Hinträumend wird Vergessenheit
des Herzens Wunde schließen;
die Seele sieht mit ihrem Leid
sich selbst vorüberfließen.


Wenn wir aus dieser Welt durch Sterben uns begeben,
so lassen wir den Ort, wir lassen nicht das Leben.


Himmelstrauer

Am Himmelsantlitz wandelt ein Gedanke,
die düstre Wolke dort, so bang, so schwer;
wie auf dem Lager sich der Seelenkranke,
wirft sich der Strauch im Winde hin und her.

Vom Himmel tönt ein schwermutmattes Grollen,
die dunkle Wimper blinzelt manches Mal,
so blinzeln Augen, wenn sie weinen wollen,
und aus der Wimper zuckt ein schwacher Strahl.

Nun schleichen aus dem Moore kühle Schauer
und leise Nebel übers Heideland;
der Himmel ließ, nachsinnend seiner Trauer,
die Sonne lässig fallen aus der Hand.



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