Leben und Tod: Sie sind im Kerne eins.
Wer sich begreift aus einem eignen Stamme,
der presst sich selber zu dem Tropfen Weins
und wirft sich selber in die reinste Flamme.

Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus.

Lebendes und Totes,
Wachendes und Schlafendes,
Junges und Altes sind eins.
Denn das Eine wandelt sich ins Andre-
und das Andre zurück in das Vorige.

Das Leben wird kostbar nur durch den Tod,
die Erfüllung wertvoll nur durch die Sehnsucht,
der Sieg nur durch das Ringen.

Die letzte Ruhestätte

Wo wird einst des Wandermüden
letzte Ruhestätte sein?
Unter Palmen in dem Süden?
Unter Linden an dem Rhein?
Werd ich wo in einer Wüste
eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh ich an der Küste
eines Meeres in dem Sand?

Immerhin! Mich wird umgeben
Gotteshimmel, dort wir hier,
und als Totenlampen schweben
nachts die Sterne über mir.

Über einem Grabe

Blüten schweben über deinem Grabe.
Schnell umarmte dich der Tod, o Knabe,
den wir alle liebten, die dich kannten,
dessen Augen wie zwei Sonnen brannten,
dessen Blicke Seelen unterjochten,
dessen Pulse stark und feurig pochten,
dessen Worte schon die Herzen lenkten,
den wir weinend gestern hier versenkten.

Maiennacht. Der Sterne mildes Schweigen…
Dort! ich seh es aus der Erde steigen!
Unterm Rasen quillt hervor es leise,
Flatterflammen drehen sich im Kreise,
ungelebtes Leben zuckt und lodert
aus der Körperkraft, die hier vermodert,
abgemähter Jugend letztes Walten,
letzte Glut verrauscht in Wunschgestalten.

Eine blasse Jagd: Voran ein Zecher,
in der Faust den überfüllten Becher!
Weh´nde Locken will der Buhle fassen,
die entflatternd nicht sich haschen lassen,
lustgestachelt rast er hinter jenen,
ein verhülltes Mädchen folgt in Tränen.
Durch die Brandung mit verstürmten Haaren
seh ich einen kühnen Schiffer fahren.
Einen jungen Krieger seh ich toben,
helmbedeckt, das lichte Schwert erhoben.
Einer stürzt sich auf die Rednerbühne,
weites Volksgetos´ beherrscht der Kühne.
Ein Gedräng´, ein Kämpfen, Ringen, Streben!
Arme strecken sich und Kränze schweben-
Kränze, wenn du lebtest, dir beschieden,
nicht erreichte! Knabe, schlaf in Frieden!

Lass das Trauern

Lass, mein Herz, das bange Trauern um vergangnes Erdenglück,
ach, von diesen Felsenmauern schweifet nur umsonst der Blick.

Sind denn alle fortgegangen: Jugend, Sang und Frühlingsluft?
Lassen scheidend nur Verlangen einsam mir in meiner Brust?

Vöglein hoch in Lüften reisen, Schiffe fahren auf der See;
ihre Segel, ihre weißen, mehren nur des Herzens Weh.

Ist vorbei das bunte Ziehen lustig über Berg und Kluft,
wenn die Bilder wechselnd fliehen, Waldhorn immer weiterruft?

Soll die Lieb´ auf sonn´gen Matten nicht mehr baun ihr prächtig Zelt,
übergolden Wald und Schatten uns die weite, schöne Welt?

Lass das Bangen, lass das Trauern, helle wieder nur den Blick!
Fern von dieser Felsen Mauern blüht dir noch gar manches Glück!

Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl;
das macht die Seele still und friedevoll.
Ist´s doch umsonst, dass ich mich sorgend müh,
das ängstlich schlägt mein Herz,
sei´s spät, sei´s früh.

Was uns Trost und Mut kann geben,
um hienieden gern zu säumen?
Dass wir leben, wenn wir träumen,
dass wir träumen, wenn wir leben.

Fasst frischer Mut! So lang ist keine Nacht, dass endlich nicht der helle Morgen lacht.


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