Buch Kohelet

Alles hat seine Stunde.
Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:
Eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben,
eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen,
eine Zeitzum Weinen und eine Zeit zum Lachen,
eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz,
eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen.

Die Stunde unseres Strebens ist nur eine unserer Stunden
und keine ausnahmsweise.

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe, blüht jede Weisheit
und auch jede Tugend zu ihrer Zeit
und darf nicht ewig dauern.

Der du von dem Himmel bist,
alles Leid und Schmerzen stillest,
den, der doppelt elend ist,
doppelt mit Erquickung füllest.

Ach, ich bin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede, komm
ach komm in meine Brust.

Was der Sinn des Lebens ist, weiß keiner genau.
Jedenfalls hat es wenig Sinn,
der reichste Mann auf dem Friehof zu sein.

An den Tod 1

Halb aus dem Schlummer erwacht,
den ich traumlos getrunken,
ach, wie war ich versunken
in die unendliche Nacht!

Tiefes Verdämmern des Seins,
denkend nichts, noch empfindend!
nichtig mir selber entschwindend,
Schatten mit Schatten zu eins!

Da beschlich mich so bang,
ob auch , den Bruder verdrängend,
Geist mir und Sinne verengend,
listig der Tod mich umschlang.

Schaudernd dacht´ ich´s und fuhr
auf und schloss mich ans Leben,
drängte in glühendem Erheben
kühn mich an Gott und Natur.

Siehe, da hab ich gelebt:
Was sonst, zu Tropfe zerflossen,
langsam und karg sich ergossen,
hat mich auf einmal durchbebt.

Oft noch berühre du mich,
Tod, wenn ich in mir zerinne,
bis ich mich wieder gewinne
durch den Gedanken an dich!

Über Sein und Nichtsein sei kummerlos und sorgenfrei;
denn von jedem Sein, wie hoch, ist Nichtsein das Ende doch.

Unsere Toten leben fort in den süßen Flüssen der Erde,
kehren wieder mit des Frühlings leisem Schritt,
und es ist ihre Seele im Wind,
der die Oberfläche der Teiche kräuselt.

Wie lange ich lebe, liegt nicht in meiner Macht;
dass ich aber, solange ich lebe,
wirklich lebe, das hängt von mir ab.

Im Meer des Lebens, Meer des Sterbens,
in beiden müde geworden,
sucht meine Seele den Berg,
an dem alle Flut verebbt.


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