Mitgefühl und Empathie – Trauernde helfen sich gegenseitig

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Mitgefühl und Empathie – Trauernde helfen sich gegenseitig

Mitgefühl zu spüren tut jedem Menschen gut. Vor allem wenn man eine Schulter zum Anlehnen braucht. Gerade für Trauernde ist dies besonders wichtig. Manchmal brauchen wir selbst Mitgefühl, manchmal können wir Mitgefühl spenden. Gerade wie heilsam Empathie ist, auch wenn wir selbst diejenigen sind, die Trost spenden und Anteil nehmen, belegen mittlerweile immer mehr Studien. Diese weisen spannende und überraschende Erkenntnisse aus der Empathieforschung auf. Doch was bedeutet Empathie eigentlich?

Empathie bedeutet, sich in eine andere Person einzufühlen, wenn er oder sie traurig ist, statt über das Gefühl mit einer Plattitüde wie „ach das tut mir aber leid“ hinwegzugehen. Empathie bedeutet Resonanz , also die Fähigkeit, mit den Emotionen anderer mitzuschwingen. Dazu gehören übrigens auch die Bereitschaft, positive Gefühle wie Freude, Zufriedenheit oder Glück miteinander zu teilen. Doch bei der Trauer sind wir hier besonders gefordert und da ist es auch am schwierigsten.

Was ist der Unterschied zwischen Mitgefühl und Mitleid?

Dies wird oft verwechselt. Mitgefühl bedeutet, dass man sich in die Lage des anderen hineinversetzt, das Leid wirklich wahrnimmt und glaubhaft signalisiert: „Ich sehe deinen Schmerz.“ Beim Mitleid dagegen werden ausschließlich Zentren im Gehirn aktiviert, die negative Gefühle steuern Trauer, Unglück, Schmerz, Unzufriedenheit oder Aggression. Das kann dazu führen, dass man vom Leid des anderen überwältigt wird oder sich sogar überfordert fühlt. Echte Empathie dagegen stärkt uns. Sie nimmt zwar durchaus Anteil am Schmerz des anderen, verbindet diese Anteilnahme aber, und das ist entscheidend, sehr bewusst mit warmen, freundlichen, liebevollen Gedanken für den anderen. Das klingt vielleicht ein wenig esoterisch, funktioniert aber: Man wünscht, ohne es laut auszusprechen, dem Gegenüber innerlich Glück, ein besseres Schicksal oder das Gefühl der Hoffnung.
Doch warum ist das so wichtig?
Ganz einfach: Durch diese warmen, freundlichen und hoffnungsvollen Gedanken werden positive Gefühle und Bilder bei uns selbst geweckt und nachweislich positive Schwingungen im Gehirn stimuliert. Wer häufig echte Empathie praktiziert, spürt rasch die positiven Auswirkungen auf das eigene Leben. Wissenschaftler konnten nachweisen, dass Menschen, die echtes Mitgefühl leben, langfristiger gesünder sind! Leider wird der positive Einfluss von Empathie auf das eigene Wohlbefinden häufig unterschätzt.

Welche positiven Auswirkungen hat Empathie für einen selbst?

Viele Studien beweisen, dass Empathie die Lebenserwartung steigert. Und nicht nur das. Sie stärkt das Immunsystem, man leidet zum Beispiel seltener an Erkältungen. Mitgefühl für die Mitmenschen kann sogar so gesund sein wie zum Beispiel das Rauchen aufzugeben, denn Empathie verhindert chronische Unzufriedenheit oder Stress. Beides Faktoren, die nachweislich ein hohes Risiko für die Gesundheit darstellen, ebenso wie Übergewicht oder Zigaretten.

Kann man Empathie trainieren?

Ja, das kann man. Meditierende Zenmönche (Was ist Zen?) können zum Beispiel gezielt zwischen Empathie und Mitleid switchen. Man kann die Fähigkeit und Aufmerksamkeit für Empathie aber auch selbst stärker entwickeln. Etwa indem man sich, sobald jemand Leid oder Schmerz erlebt, fragt: „Wie würde es mir selbst jetzt an seiner Stelle gehen?“ Und ihn dann in liebevolle Gedanken einschließt.

Geht die Fähigkeit zur Empathie in unserer Gesellschaft verloren?

Tatsächlich arbeitet die Leistungsgesellschaft gegen unsere natürliche Fähigkeit, empathisch mitzuschwingen. Wenn wir unter Dauerstress stehen, schalten wir quasi in ein Not- und Sparprogramm und empfinden natürliche soziale Fähigkeiten wie Empathie seltener. Was aber in der Forschung überrascht, ist die Tatsache, dass wir uns heute schon unterschwellig gestresst fühlen, weil wir vielen fremden Menschen begegnen, etwa in der U-Bahn. Die Bereitschaft zur Empathie steigt mit der Nähe und Vertrautheit. Unter Freunden, der Familie oder Menschen, mit denen wir Gemeinsamkeiten teilen, sind wir wesentlich empathischer.

Besitzen Frauen mehr Empathie als Männer?

Nein. Es klingt überraschend, aber Männer haben genauso viel Empathie wie Frauen. Das ist eine Tatsache. Zwar werden nach wie vor Jungs von Müttern wie Vätern weniger einfühlsam erzogen. Mütter sprechen mit ihren Töchtern viel öfter und stärker über Gefühle. Aber in ihren mittleren Jahren holen die Männer auf; Studien zeigen, dass sie dann ebenso mitfühlend wie Frauen sind. Es wird vermutet, dass Partnerinnen ihren Männern Empathie vorleben und diese in gewisser Weise anstecken.

Nicht nur Empathie, sondern auch Selbstmitgefühl ist wichtig!

Man ist oft eher bereit, anderen Verständnis entgegenzubringen als sich selbst. Da sagt man oft kritisch: „Jetzt hast du es wieder nicht hinbekommen, du hast versagt!“ Klug ist das nicht, denn Selbstempathie macht sogar erfolgreicher. Doch wie das? Wer sich selbst Ausrutscher verzeihen kann, erreicht die eigenen Ziele eher oder hält einen Vorsatz eher durch, etwa eine Diät oder ein Sportprogramm. Selbstkritische Menschen dagegen schmeißen bei Rückschlägen sehr viel schneller alles hin, das belegen Studien. Besser wäre es, sich selbst Fehler zu verzeihen, nach dem Motto: „Okay, das habe ich jetzt eben nicht geschafft, aber ich bin okay wie ich bin, und versuche es noch einmal.“

Ist Selbstempathie sogar noch wichtiger als Selbstbewusstsein?

Vermutlich ja. Selbstbewusstsein schöpfen wir heute fast immer nur aus dem Vergleich mit anderen. Ist man schlanker, sportlicher, schneller, hat man etwas besser hinbekommen? Weil es aber immer jemanden gibt, der besser ist, setzen wir uns quasi dauernd unter Druck. Gelassener lebt dagegen, wer sich selbst Mut zuspricht und akzeptiert. Man sollte mit sich selbst umgehen wie mit dem besten Freund oder der besten Freundin.

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5 Wege zu mehr Empathie

    1. Hören Sie wirklich zu
      Verkneifen Sie sich schlaue Sprüche, z.B. wenn der beste Freund oder die beste Freundin Liebeskummer hat („Sei froh das du ihn/sie los hast“). Besser: Hören Sie aktiv zu, stellen Sie Fragen: „Was würde dir jetzt helfen? Was kann ich für dich tun? Wollen wir etwas unternehmen?“
    2. Nehmen Sie sich Zeit
      Hektik ist ein Empathiekiller. Deshalb: Schaffe Sie sich einen Freiraum, wenn Sie merken, dass z.B. eine Freundin oder ein Freund Kummer hat. Anteilnahme muss nicht lange dauern, doch es ist wichtig, dass Sie entspannt sind, um echten Trost zu spenden. Nehmen Sie sich also ein paar Minuten, um wirklich Mitgefühl zu zeigen.
    3. Zeigen Sie, wie Sie sich fühlen
      Studien belegen: In Partnerschaften können Frauen steuern, wie sehr Männer sich öffnen und Emotionen zeigen. Verkneifen Sie sich aber, Gefühle einzufordern. Sagen Sie stattdessen so offen wie möglich (und ohne Vorwürfe), was Sie selbst zu einer bestimmten Sache fühlen. Das bringt den Partner dazu, ganz von selbst mehr von seinen Gefühlen zu offenbaren.
    4. Fordern Sie Mitgefühl ruhig ein
      Sie sind an jemanden geraten, der herzlich wenig Mitgefühl zeigt, etwa eine egozentrische Bekannte, die meist nur an sich denkt? Zögern Sie nicht, aktiv Mitgefühl von ihr einzufordern. Denn: Bei narzisstischen Menschen ist Empathie nur verschüttet und stellt sich ein, wenn man darauf aufmerksam macht. Etwa so: „Kannst du dir vorstellen, wie ich mich gerade fühle und wie es dir an meiner Stelle gehen würde?
    5. Schärfen Sie Ihren Blick im Alltag
      Jeden Tag gibt es Situationen, in denen man anderen das Leben erleichtern kann. Unterstützen Sie einmal täglich jemanden ganz bewusst. Bringen Sie dem gestressten Kollegen einen Kaffee mit. Tragen Sie der älteren Nachbarin eine Einkaufstasche in den dritten Stock. Übrigens: Hilfsbereitschaft wirkt ansteckend.

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